Aktualisiert 21.09.2026 by Jeannine Maurer
Eine andere Ernährungsberaterin fragte mich, warum ich bei einer Kundin so gehandelt habe und nicht anders. Sie hat freundlich gefragt, ist klar und selbstbewusst und hat auch schon zu allem eine plausible Begründung parat gehabt. Ich dagegen, gar nicht. Ich weiss in solchen Moment was ich tue und warum, aber ich kann nicht auf irgendwelche Fakten verweisen oder zackig antworten. Das kommt bei mir erst etwas später hoch und dann ist es längst kein Thema mehr (oft sogar erst vor dem Einschlafen, kennst du das?).
Also werde ich still, zweifle an mir und frage mich, ob ich eventuell doch falsch liegen könnte. Später, wenn ich es für mich ganz genau wissen will und in meinen Fachunterlagen nachschlage, steht es schwarz auf weiss. Es stimmt, ich hab nichts erfunden!
Ich arbeite sehr oft aus dem Bauch heraus, höre bei Histaminintoleranz auf den Körper und starte mit dem Nervensystem und dem Atem statt nur über den Teller. Lange dachte ich, das klinge für eine Ernährungsberaterin unprofessionell. Heute sage ich es trotzdem, denn ich weiss, dass es funktioniert und es dir vielleicht ähnlich geht.
Worüber ich nicht geredet habe: dass ich bei Histaminintoleranz aus dem Bauch heraus arbeite
Auf den Körper zu hören heisst für mich: Ich spüre zuerst, in welche Richtung es gehen soll, und schlage danach in meinen Fachunterlagen nach. Ich arbeite intuitiv und höre auf meinen Körper, auch dann, wenn ich meine Schritte nicht mit einer Studie belegen kann. Darüber habe ich rund zwei Jahre nicht gesprochen, weder mit Kolleginnen noch im Alltag noch mit Fachleuten, die mich danach hätten fragen können. Der Zweifel daran ist noch viel älter, er begleitet mich seit meinem Einstieg in die Berufslehre.
Dazu kommt, wie ich arbeite. Nach meiner Diagnose Histaminintoleranz 2020 habe ich zuerst alles auf die Ernährung gesetzt, das hat man mir damals so weitergegeben: Listen, Ausschlussdiäten, Rezepte … Erst als ich mein Nervensystem miteingebunden habe, mit Atemtechniken und kleinen Alltagsroutinen für stressige Momente, hat sich wirklich etwas verändert. Stress gehört zu den stärksten Auslösern der Histaminausschüttung, und der Atem wirkt oft zackiger als eine Ernährungsumstellung (gerade im Akutfall), weil er direkt am Nervensystem ansetzt. Deshalb starte ich bei meinen Kundinnen genau dort, und danach geht’s zur Lebensmittelliste. Mein Bauchgefühl ist der Kompass und mein Fachwissen die Gegenprobe. Ganz wichtig ist natürlich, dass dies keine ärztliche Abklärung ersetzt. Bei Beschwerden gehört sie genauso dazu.
Warum ich dachte, das sei unprofessionell
Diese Regel trage ich seit über 34 Jahren mit mir herum. Professionell ist, wer jede Aussage sofort erklären und belegen kann. Die Kollegin aus dem Einstieg hatte die Antwort parat, und ich hatte nur das sichere Gefühl, dass es so stimmt. Genau an diesem Massstab habe ich mich immer wieder gemessen, einfach weil ich etwas anders funktioniere.
Im Alltag ging es mir genauso (und oft ist es heute noch so). Man sitzt zusammen, jemand fachsimpelt, und jeder weiss zu allem bestens Bescheid. Ich denke dann: Nein, so stimmt das nicht ganz. Aber das „Warum“ liegt mir leider nicht sofort auf der Zunge, also bleib ich einfach still. Wer am schnellsten redet, klingt am kompetentesten, und dieses Rennen verliere ich regelmässig.
Einmal geriet ich an einen Arzt, der mich heftig beschimpft hat. Und zwar ging es darum, dass ich eine Aussage vertreten habe, die wissenschaftlich nicht belegt sei. Im Kopf lautete meine Antwort prompt: Ja, und? Vieles ist noch nicht wissenschaftlich belegt und wirkt trotzdem! Ich hab es ja am eigenen Leib erfahren. Wissenschaft finde ich super spannend, das ist gar nicht das Thema, aber ich frage mich seit dieser Konfrontation, ob eine Studie wirklich mehr zählt als das, was ein Mensch an seinem eigenen Körper erlebt. Da denke ich ganz klar nein! Mein Körper sagt mir so genau, was er braucht, und dazu geht das ganz ohne Studie.
Ich denke auch, viele Frauen mit Histaminintoleranz kennen diesen einen Moment. Du spürst genau, was dir guttut und was gerade nicht. Aber wenn dann plötzlich jemand nach einem „Beleg“ fragt, wirst du dann misstrauisch gegenüber deinem eigenen Körper? Wohl eher nicht.
Um mich aber nicht wieder ins Fegefeuer zu begeben ist natürlich ganz klar, dass man nicht alles so kurieren kann und bei massiven Beschwerden unbedingt ein Facharzt beigezogen werden muss. Und auch dazu ermutige ich meine Kundinnen sobald ich sehe, dass wir nur mit Ernährungsanpassung und Nervenstystemregulierung nicht weiter kommen. Das versteht sich von alleine.

Was sich geändert hat, seit ich es ausspreche
In der ersten Jahreshälfte habe ich mich in einem Gespräch mit einer Kundin geöffnet und ihr erzählt, wie ich genau arbeite. Sie war offen und wollte vorwärtskommen. Es fiel mir so leicht, ihr jeden Schritt und auch das Warum dahinter zu erklären.
Dabei ist mir etwas klar geworden. Ich bin sattelfest in meinem Thema und habe genug Stoff, um kontern zu können. Die Worte sind da, sobald mir jemand ehrlich zuhört. Blockiert hat mich die Situation, in der ich mich geprüft fühlte, das Wissen war nie das Problem. Bei meiner Kundin, die wirklich weiterkommen will, muss ich nichts beweisen. Ich darf erklären und helfen.Ab jetzt mach ich mich nicht mehr klein. Ich weiss, dass ich meiner inneren Stimme vollumfänglich vertrauen kann. Wenn jemand nach dem Warum fragt, erkläre ich es in Ruhe, und ich weiss auch: Wenn ich es nicht sofort belegen kann, macht es meine Antwort dennoch nicht falsch.
Was das für dich heisst
Vielleicht erkennst du dich in diesen Sätzen auch wieder: Du weisst etwas über deinen Körper oder deine Arbeit, kannst es aber nicht per Knopfdruck abrufen oder belegen. Danach hinterfragst du dich. Es ist Zeit, das anzusprechen, wenn du dich nach einem Gespräch ärgerst, weil du dich selber wieder klein gemacht hast, obwohl du es eigentlich besser gewusst hast.
Dein Körperwissen zählt, auch wenn dir die Studie gerade fehlt. Wer still bleibt, liegt nicht automatisch falsch. Und wenn du später nachschaust und feststellst, dass du richtig gespürt hast, darfst du dich über deine Treffsicherheit freuen, statt dich zu ärgern, dass du geschwiegen hast! Mir passiert das so oft.
Professionell bin ich heute, wenn ich mit meinem Körpergefühl und meinem Fachwissen zusammenarbeite. Die Antwort sofort und druckreif auf der Zunge zu haben, gehört für mich nicht mehr dazu!
Häufige Fragen
Ich tue es, und für mich gehört es dazu. Erst spüre ich hin, in welche Richtung es gehen soll, und dann schlage ich in meinen Fachunterlagen nach. Meistens bestätigt sich, was mein Körper längst wusste.
Stress gehört zu den stärksten Auslösern der Histaminausschüttung. Der Atem wirkt oft schneller als eine Ernährungsumstellung, gerade im Akutfall, weil er direkt am Nervensystem ansetzt. Danach schaue ich auf die Lebensmittelliste.
Ich erkläre es in Ruhe. Dass mir die passende Studie nicht sofort einfällt, macht meine Antwort nicht falsch. Wenn ich später nachschlage, bestätigt sich meist, was ich gespürt habe.
Ganz klar NEIN. Bei Beschwerden gehört die ärztliche Abklärung genauso dazu.
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